Wahdat al-Wudschud - Pantheismus

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Wahdat al-Wudschud oder Pantheimus ist eine Glaubensvorstellung, die besagt, dass zwischen Schöpfung und Allah kein Unterschied bestehe.

Definition[Bearbeiten]

Sprachliche Bedeutung[Bearbeiten]

Der Begriff Wahdat al-Wudschud ist aus zwei Wörtern zusammen gesetzt:

  • Wahdat: Einheit, Einssein.
  • Wudschud: Existenz, Schöpfung.

Pantheismus kommt aus dem Griechischen und besteht ebenfalls aus zwei Elementen: πᾶν pán „alles“ und θεός theós „Gott“.

Begriffserklärung[Bearbeiten]

Wahdat al-Wudschud bedeutet: "dass das Wesen der Geschöpfe das Wesen Allahs sei, das heißt, das Wesen Allahs selbst zeigt sich in den Geschöpfen." (Ibn Taimija, Madschmu' al-Fatawa Bd. 1, S. 172, Lidjnat at-Turath al-'Arabi)

Arten des Pantheismus[Bearbeiten]

  • Wahdat al-Wudschud oder Ittihad

Dies ist die absolute Form des Pantheismus, also die Vorstellung, alles sei Allah und Allah sei alles.

  • Hulul oder Inkarnation

Hulul bedeutet, dass Allah in bestimmte Geschöpfe fährt oder dass bestimmte Geschöpfe zum Gott werden.

Diese Vorstellung findet sich in vielen Sufi-Orden, dem Buddhismus, dem Hinduismus und ist auch das Prinzip der Göttlichkeit Jesu bei den Christen.

  • Die Aussage "Allah ist überall"

Diese Aussage wird fälschlicherweise den Asch'ariten zugeschrieben, weil sich die asch'aritische Lehre ausbreitete und mit dem Sufismus vermischte. Doch besagt die asch'aritische Aqida das genaue Gegenteil: Allah sei über jeden Ort erhaben, habe also keinen Ort und damit nirgendwo.

Die logische Konsequenz der Aussage "Allah ist überall": Wenn Allah überall sein soll, so müsste er in allen Dingen, also allen Geschöpfen sein, somit unterscheidet sich diese Aussage überhaupt nicht vom Pantheismus, der ja besagt, dass Allah in allen Dingen sei und es keine Trennung zwischen Allah und Schöpfung gäbe.

Die muslimischen Gelehrten sind sich einig, dass der Glaube an die Einheit Allahs mit der Schöpfung Kufr ist.

Arthur Schopenhauer (1788–1860) nannte den Pantheismus eine „Euphemie für Atheismus“.

Beweisführung der Pantheisten[Bearbeiten]

Der Ursprung des Pantheismus liegt nicht im Islam, sondern im hinduistich-buddhistischen Gedankengut. So ist einer der ersten Pantheisten, der sich als Muslim bezeichnete, Dschahm ibn Safwan, der oft mit indischen Atheisten diskutierte und selbst für über einen Monat Atheist war.

Die Pantheisten versuchten einige Quran-Verse umzuinterpretieren:

"Allahs ist der Westen und des Osten, wohin ihr euch wendet, überall ist Allahs "wadschh" - Richtung."

Quran 2:115

Doch Ibn Kathir zitiert von vielen Sahaba und deren Schülern, dass dieser Vers bedeutet: "Dort ist die Qibla, der ihr euch zuwenden könnt, wenn ihr die Gebetsrichtung nicht findet," denn man kann sich überall auf der Erde Allah im Gebet zuwenden.

"Und Er ist es, der im Himmel ilaah ist (angebetet wird) und auf Erden angebetet wird.":Quran 43:84

Doch Ibn Kathir sagt, dass der Vers bedeutet: "Er wird sowohl im Himmel angebetet, als auch auf Erden, alle unterwerfen sich Ihm demütig."

"Allah ist mit ..."

Der Ausdruck Allah ist mit einer bestimmten Gruppe bedeutet, dass Allah diese Gruppe unterstützt, wie dies aus dem Kontext zu erkennen ist. Allah ist mit den Gläubigen, denn Seine Macht und Sein Allwissen umfasst sie, sowie Er ihrer Taten kundig ist. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Er - erhaben ist er über jeden Makel - in den Gläubigen selbst weilt, es heißt ja auch nicht "Allah ist in", sondern "Allah ist mit" ihnen.

"Und Er ist mit euch, wo ihr auch seid."

Quran 57:4

Erstens muss der ganze Vers zitiert werden:

"Er ist es, der die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschuf und Sich hierauf über den Thron erhob. Er weiß, was in die Erde eindringt und was aus ihr herauskommt, was vom Himmel herabkommt und was dorthin aufsteigt. Und Er ist mit euch, wo immer ihr auch seid. Und was ihr tut, sieht Allah wohl."

Dies bedeutet lautet den Aussagen der Sahaba und frühen Muslime: "Allah weiß über euer Tun bescheid, egal wo ihr seid." Da ja zuvor erwähnt wurde, dass Er sich auf den Thron erhob, also nicht unter den Geschöpfen weilt, erinnert Er den Menschen daran, dass Allah wohl sieht, was er tut.

"Und Allah ist mit den Geduldigen."

Quran 2:249

Mit diesem Vers verhält es sich wie mit dem vorigen: Allah unterstützt die Geduldigen im Speziellen und Sein Wissen umfasst die Taten aller Menschen im Allgemeinen.

Zitate der Pantheisten[Bearbeiten]

  • Rumi (Mevlana):

"Schau zum Zanâr (Gewand der Feueranbeter) von Zarathustra um meine Hüfte

wende dich nicht von mir ab, wende dich nicht von mir ab

Ich bin Muslim, doch bin ich auch Christ und Brahmane und Zarathustrier

Ich verlasse mich auf Dich, Du höchste Wahrheit

Ich habe nur einen Tempel

Mosche, Kirche oder Götzentempel

Dein edles Antlitz ist darin die höchste Huld

Wende dich nicht von mir ab, wende dich nicht von mir ab!"

"Seit das Bild der Welt zusammengestellt wurde, war Ali da, seitdem die Erde gemeißelt wurde und die Zeit existiert, war Ali da.

Jedesmal, wenn ich den Horizont erblicke, wenn ich schaute, so wurde mir klar, dass er in den Geschöpfen war, es war Ali.

Wahrlich der, welcher die Existenz ist, wenn nicht er wäre, für mein Geheimnis das Nichts in der Welt der Existenz, so wäre es Ali

Wahrlich das verborgene und klare Geheimnis der Welten, welches in der Sonne Tebriz erstrahlte, war Ali"

"Ich bin mir selbst unbekannt, bei deinem Herrn, sag mir, was kann ich tun?

Nicht in dieser Schöpfung noch dort, weder im Paradies noch in der Hölle ist meine Heimat.

Ich wurde nicht aus Eden verwiesen, noch aus Yazdan und ich habe meine Abstammung nicht durch Adam erhalten.

Sondern von einem oh so fernen Ort und einem Weg, dessen Wegmarken verborgen sind.

Ich löste mich von meinem Körper und meiner Seele, ich lebe von neuem auf in der Seele dessen, Den ich liebe."

(Aus "Islamischer Sufismus und dessen Geschichte", S. 95)

Er sagte auch: "Allah ist das, was du in mir mit dem Auge deines Herzens siehst. Denn Er wählte mich zu seinem Haus, ich habe Ihn gesehen, ich habe um die hanefitische Kabe Tawaf gemacht, wenn du mich anbetest, betest du Ihn an, lobpreist du Ihn. Denke nicht, dass ich etwas anderes als Er bin."

("die Wahrheit über den Sufismus" S. 154, Zitat aus: Islamischer Sufismus und dessen Geschichte)

  • Ibn al-'Arabi

"Gepriesen sei, Wer die Dinge hervorbrachte und sie selbst ist!" (al-Futuhat al-Makkiyya, Bd. 4, S. 136).

Vertreter des Pantheismus[Bearbeiten]

  • Die Dschahmiyya
  • Viele Sufis
  • Viele Schiiten

Personen:

  • Ibn 'Arabi (Muhyuddin) 560-638 n.H.
  • "Mevlana" Dschalaluddin Ar-Rumi
  • Said Nursi 1876-1960
  • Albert Einstein
  • Caspar David Friedrich
  • Johann Wolfgang von Goethe
  • Baruch Spinoza
  • Platon

Quellen[Bearbeiten]